Was ist Zen?

Bedeutung des Zen

◼︎ ZEN ist einfach nur der Schlüssel, der das Tor zu unserer umfassenden Fähigkeit zur Güte öffnet. Oftmals ist das eine bittere Wahrheit. Sie verlangt, sich auf die Person einzulassen, die wir sind, darauf, was wir denken, was wir sagen und was wir mit unseren Körpern tun. Wir müssen gründlich sein; jeden Tag müssen wir in jedem Moment gründlich wir selbst sein, ohne dafür etwas zu erwarten. Wir müssen das tun, um diesen dünnen Schleier der Illusion zu durchdringen, der uns von unserer unbegrenzten, spontan verfügbaren Güte trennt.

Das unbewegte Sitzen Buddhas ist nicht einfach nur Unbewegtheit und Schweigen, sondern Stille, absolute Präsenz. In einer solchen Präsenz existiert auch nicht die geringste Einmischung in das, was geschieht. Es ist eine körperliche und geistige Nichteinmischung in unsere Erfahrung. Es ist tiefes Vertrautsein mit allem, was geschieht. Dieses Sitzen verwirklicht eine unbegrenzt  anpassungsfähige Unbewegtheit, die sich auf die unbeständige Natur der Dinge einlassen kann und sich mit allen Situationen in Einklang zu bringen versteht.

Reb TenShin Anderson: »Ein warmes Lächeln vom kalten Berg«

»Die Praxis der Wahren Wirklichkeit ist es, einfach heiter gelassen in schweigender Selbstbeobachtung zu sitzen… so erscheint die strahlende Klarheit vor Dir.«

Hongzhi Zhengjue

Praxis des Zen

Zazen

◼︎ IM ZEN nennen wir das Sitzen in Stille – Zazen – das bedeutet wörtlich‚ »sitzen in Versunkenheit«. Nach Dogen Zenji ist Sitzen das Verweilen in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet. Zen ist weder eine Theorie, eine Idee, noch ein intellektuelles Wissen, sondern eine Praxis: nämlich die des »richtigen Sitzens«. Die innere Revolution wird von der Praxis des ZAZEN erzeugt. Tiefe Weisheit entwickelt sich, deren Essenz wir nicht allein mit dem logischen Denken erreichen können, wie uns Buddha lehrte.

 

◼︎ Sitzanleitung

Nimm also über deine Unterschenkel Kontakt zum Boden auf – deine Füße sind angewinkelt, fühle so deine Sitzbeinhöcker – prüfe, ob dein Gewicht auf beiden Höckern gleichmäßig verteilt ist – spüre, ob deine Wurzel in die Einheit deines Körpers hineingenommen ist. Dein Becken ist leicht nach vorne gekippt, Körper und Kopf sind aufgerichtet und soweit als möglich entspannt. Das Kinn wird zurückgezogen, der Nacken gestreckt, die Schultern sind ganz natürlich entspannt.

 

Deine Augen sind halb geschlossen, der Blick ist ein Meter vor dir auf den Boden gesenkt. Die Zungenspitze legst du unter deinen Gaumen. Dein Gesicht lächelt. Die linke Hand liegt in der rechten mit den Handflächen nach oben. Die Daumen sind waagrecht, berühren sich sanft, und die beiden auf den Oberschenkeln aufliegenden Hände berühren deinen Unterbauch etwa zwei Fingerbreit unterhalb deines Nabels.

Jedes Detail der Haltung hat eine tiefe Bedeutung. Denn alle Teile des Körpers hängen wechselseitig voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Die Haltung ist von einer großen Stabilität. Bei nachlassender Haltung richtet euch ganz zart wieder auf. Während der ganzen Übung bleibe in der Beobachtung deines Körpers.

 

Lass deinen Atem geschehen. Schaue zu, wie er kommt und geht. Manipuliere nicht. Es reicht hinzuschauen, wie der Atem durch deinen Körper fließt. Spüre wie sich dein Bauchraum, deine Bauchdecke und dein Brustraum verändern. Wenn ihr euch der Ausatmung hingebt und euch von der Einatmung anfüllen lasst, in einem harmonischen Kommen und Gehen, dann bleibt von euch nicht mehr als ein Kissen unter dem leeren Himmel, mit dem Gewicht einer züngelnden Flamme.

 

Genauso wie die richtige Atmung nur aus einer richtigen Haltung entstehen kann, ergibt sich die Geisteshaltung ganz natürlich aus einer tiefen Konzentration auf Haltung und Atmung. Sitze in Freiheit ohne ein Gefühl von Zwang. Sei geistig präsent, d. h. achte darauf, dass du nicht ins Träumen oder Dösen verfällst. Habe nicht den Ehrgeiz deinen Geist zur Ruhe zu bringen, bzw. keine Gedanken zu haben. Sitze, um zu sitzen. Es ist wichtig, alles anzunehmen was kommt: Gedanken, Gefühle gleich welcher Art. Annehmen, betrachten und heimfinden zur Übung, z. B. zählen des Atems, beobachten des Atems, Arbeit mit einem Koan usw. Stelle dir ein Boot vor, das an einem Fluss mit der Strömung antreibt. Das ist dein Gedanke. Du musst dich nicht in das Boot hinein setzen. Vielleicht gibst du ihm einen Namen: Ärger, Enttäuschung oder Vergangenheit, Zukunft usw.. Schau ihm nach und kehre zurück zu deiner Übung.

Lass immer wieder Vertrauen zu deinem Weg in dir entstehen und sei gewiss, dass dein Üben etwas bewirkt in dir und für den ganzen Kosmos. ZAZEN beeinflusst das ganze Wesen, Körper und Geist. Durch eine regelmäßige Praxis vertieft sich das Verständnis für unser eigenes Leben. Dieses Verständnis spiegelt sich dann in jeder unserer täglichen Handlungen wider. Wenn in jeder Handlung unseres Lebens der Geist derselbe ist, sind die Handlungen auf natürliche Weise richtig.

 

Wie im ZAZEN können wir vollkommen gegenwärtig im Augenblick sein, in der Fülle des Hier und Jetzt. Unser Geist ist friedlich, ohne Komplikationen, ohne Berechnung, ohne Angst. Der Egoismus nimmt ab, und wir folgen natürlicher dem Fluss des kosmischen Lebens. So werden unsere Beziehungen zu den anderen Menschen einfacher und durchsichtiger. Das Mitgefühl zeigt sich in deinen alltäglichen Handlungen, die Weisheit des Boddhisattvas Manjushri erscheint in deinem Leben. Dann können wir von ganz alleine zum Wesentlichen und zum einfachen Leben finden. ZAZEN ist die erwachsene Form unseres Lebens. Es ist das wahre Glück, die echte Freiheit. Wenn jemand fragt, was das wahre Zen ist, braucht ihr nicht euren Mund öffnen, um es zu erklären. Stellt alle Aspekte eurer Zazenhaltung dar (siehe Film). Dann wird der Fühlingswind wehen und die wunderbare Blüte des Kirschbaumes aufgehen lassen… und Ihr seid Buddha!

Bogenschiessen

◼︎ BEIM BOGENSCHIESSEN wird eingeübt die Konzentration auf jeden Augenblick, konkret in der korrekten Übung des Sitzens, des achtsamen Gehens, im präzisen Umgang mit dem Bogen, und zwar als traditionelles intuitives Schießen, d. h. ohne technische Hilfsmittel.

»Zielen ohne zu zielen«, trifft am besten den Kern der Übung.

Die Anzahl der Treffer spielt eher eine Nebenrolle. Das Schießen auf Tierbilder, das Zählen von Punkten, das Austragen von Meisterschaften überlassen wir gerne den Bogenschützenvereinen. Aber auch beim Zen-Bogenschießen hat das Treffen einen hohen Stellenwert und die stetige Übung des präzisen Umgangs mit dem Bogen, dient auch diesem Ziel.

Der Schwerpunkt jedoch liegt auf der geistigen Ebene. Mit dem Bogen üben wir die Einspitzigkeit unseres Geistes. Das Sein ist wichtiger als das Haben, der Prozess entscheidender als das Ergebnis auf der Scheibe, Loslassen hat Priorität vor dem Ankommen.

»Am Ende des Herz-Sutra rezitieren wir:
›…wir widmen diese Bemühungen dem Wohlergehen und Erwachen aller Wesen.‹
Darum geht es heute und damit ist auch das Ziel aller Bemühungen für die Zukunft beschrieben.«

GenKi Ellen und KyuSei Kurt Österle

Vortrag Teisho
Vortrag

(Teisho)

HoKai Zenbogenschiessen auf einem Bein
Bogenschiessen
Hokai